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Mannheim will Erdgasnetz bis 2035 abschalten – bisher ein Einzelfall im Südwesten

Bereits 60 Prozent der Mannheimer heizen mit Fernwärme. diese will die stadt ausbauen.
MVV)Stuttgart/Mannheim. Außer der MVV Energie Mannheim hat bislang kein Energieversorger in Baden-Württemberg konkrete Pläne, sein Erdgasnetz stillzulegen. Das erklärte Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) in der Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion. „Der Landesregierung sind keine Stilllegungspläne im Sinne der oben genannten Richtlinie bekannt“, heißt es in der Antwort.
Verteilernetzbetreiber müssen Pläne für die Netzstilllegung erarbeiten
Das Ministerium bezieht sich dabei auf die EU-Gasbinnenmarkt-Richtlinie. Diese legt fest, dass die Mitgliedstaaten sicherzustellen haben, „dass die Verteilernetzbetreiber Pläne für die Netzstilllegung erarbeiten, wenn eine Verringerung der Erdgasnachfrage, die die Stilllegung von Erdgasverteilernetzen oder Teilen solcher Netze erfordert, zu erwarten ist“. Die Richtlinie muss bis zum Sommer kommenden Jahres vom Bund in nationales Recht umgesetzt werden.
Die Landtags-SPD verweist in ihrer Anfrage darauf, dass Haus- und Wohnungseigentümer in Mannheim, die erst kürzlich eine neue Erdgasheizung eingebaut haben, durch die Ankündigung der MVV Fehlinvestitionen getätigt haben. Das Umweltministerium will dies aber so nicht stehen lassen. Schon seit 2008, als das Erneuerbare-Wärme-Gesetz in Kraft getreten sei, würden Energieberater darauf hinweisen, dass der „Einbau von Gasheizungen nicht nachhaltig ist und zudem aufgrund steigender CO 2 -Bepreisung mit wirtschaftlichen Risiken verbunden“ sein könne.
Gebäudeenergiegesetz verpflichtet Hauseigentümer, sich beraten zu lassen
Und seit Anfang 20024 seien Hauseigentümer durch das Gebäudeenergiegesetz des Bundes verpflichtet, sich vor dem Einbau einer Gasheizung beraten zu lassen. Dabei solle die Wirtschaftlichkeit geprüft werden, insbesondere mit Blick auf die steigenden CO 2 -Preise. Zudem müsse in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, wie sich die kommunale Wärmeplanung im jeweiligen Ort auf das Angebot an Heizmöglichkeiten auswirke.
Mannheim ist aus Sicht des Umweltministeriums bei der Wärmeversorgung ein Sonderfall. Bereits heute liege in der Stadt der Anteil der Fernwärme bei 60 Prozent. Und er soll durch Ausbau und Nachverdichtung in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden, wie aus der kommunalen Wärmeplanung hervorgeht, die seit knapp einem Jahr in Kraft ist.
Der Erdgasverbrauch in Mannheim soll von 1600 Gigawattstunden im Jahr 2020 auf 500 im Jahr 2030 reduziert werden. Weitere zehn Jahre später soll kein Erdgas mehr genutzt werden.