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Authentische Einblicke machen Betriebspraktika erfolgreich

Betriebe sollten gezielt Inhalte vorbereiten, die sie bei Praktika vermitteln möchtenten, um Interesse für einen Beruf zu wecken.
IMAGO/Westend61/Christian Vorhofer)Obersulm. In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Dann beginnen in Baden-Württemberg die Praktikumswochen 2025. Vom 31. März bis zum 25. April haben Schüler ab der achten Klasse wieder die Möglichkeit, in eintägigen Schnupperpraktika verschiedene Unternehmen und Berufe kennenzulernen. Täglich können sie das Unternehmen wechseln und sammeln so vielfältige Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen.
Für Axel Leinz hat das Thema Praktikum einen hohen Stellenwert. Denn der Geschäftsführer der Dachdeckerei Leinz in Obersulm-Willsbach (Kreis Heilbronn) ist stets auf der Suche nach passendem Berufsnachwuchs. Praktika sind in seinen Augen eine große Chance, mit deutlich größeren Arbeitgebern mitzuhalten, wenn es um Kontakte zu jungen Leuten im Hinblick auf eine Ausbildung geht.
Praktikanten gehen schon am ersten Tag mit auf die Baustelle
Daher nimmt man bei Leinz die Vorbereitung wichtig. „Die Praktikumstage müssen sitzen“, meint der Unternehmer. Denn nur so sei es möglich, den Schülern einen realistischen, authentischen Einblick in die verschiedenen Berufsbilder im Betrieb geben zu können. So hat man ein Paket von Inhalten erstellt, das vermittelt werden soll und man nimmt die Praktikanten direkt mit auf Baustellen, wo sie den Arbeitsalltag hautnah miterleben können.
Die landesweite Aktion macht die Rekrutierung für Betriebe einfach: Auf einer zentralen Onlineplattform muss man freie Plätze lediglich anmelden und bekommt dann als Arbeitgeber im Regelfall Kandidaten direkt vorgeschlagen. Anderer typische Wege sind die Präsenz auf Ausbildungs- und Karrieremessen sowie die Nutzung von Onlinebörsen. Wer als Arbeitgeber dabei schon vorab die Praktikumsinhalte und spätere Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen kann, ist bei der Bewerberansprache klar im Vorteil.
Aufgaben sollen weder überfordern noch langweilen
Ein gelungenes Praktikum fällt nicht vom Himmel − es setzt Planung voraus. Wer sich vorher Gedanken macht, welche Aufgaben für einen Schnupperaufenthalt passen, wer im Unternehmen den Praktikanten begleiten kann, welche Inhalte man vermitteln will, der schafft die Grundlage dafür, dass eine echte Win-win-Situation entsteht.
Dabei gilt: Weniger ist mehr. Lieber einen klaren Einblick in zwei oder drei Bereiche bieten als ein hektisches Durchreichen durch alle Abteilungen. „Die Aufgaben müssen dabei dem Alter und Wissensstand der jungen Leute entsprechen“, sagt Heidi Becker, Sprecherin bei der Aubi-Plus, einem Beratungshaus im nordrhein-westfälischen Hüllhorst, das Unternehmen beim Thema Ausbildung unterstützt. Die Aufgaben und Inhalte sollen weder überfordern noch langweilen. Statt Ablage und Kaffeekochen sollten es besser Tätigkeiten sein, bei denen sich ein Gefühl für den Beruf entwickelt. Bei mehrtägigen oder gar mehrwöchigen Praktika gilt der erste Tag als richtungsweisend. Eine freundliche Begrüßung, ein kurzer Rundgang, vielleicht ein kleines Infoblatt mit den wichtigsten Fakten , trägt dazu bei das Eis zu brechen. Wichtig ist auch, dass von Anfang an klar ist, an wen man sich die Schüler bei Fragen wenden können. Die festen Ansprechpersonen sollten nicht nur erklären, sondern auch regelmäßig Feedback geben. „Wenn Jugendliche sich gut betreut fühlen, erzählen sie es später weiter − und das stärkt das Arbeitgeberimage“, erläutert Becker.
Positive Berichte der Praktikanten als Minimalziel
Punkten können Unternehmen auch, wenn sie die eigenen Azubis als Paten oder Tandempartner für die Praktikanten einsetzen. Denn diese kennen die Perspektive der jungen Leute auf der Suche nach beruflicher Orientierung oft besser als die meist deutlich älteren Führungskräfte oder Ausbilder des Betriebs und können mit authentischen Einblicken auf Augenhöhe überzeugen.
Am Ende sollte ein Abschluss- und Feedback-Gespräch stehen: Was lief gut im Praktikum, wo gab es Überraschungen, Fragen oder auch Enttäuschungen? Und wie könnte es nun weitergehen? Im Idealfall wird aus dem Praktikanten bald selbst ein Azubi. Das Minimalziel sollte sein, dass zumindest positiv über den Aufenthalt berichtet wird.
Sozialversicherungspflicht im Einzelfall prüfen
Ob ein Praktikum sozialversicherungspflichtig ist, hängt von Dauer, Art und Zweck des Einsatzes ab. Schul- und Pflichtpraktika sind in der Regel versicherungsfrei. Freiwillige Praktika vor oder während des Studiums sind bei mehr als drei Monaten Dauer häufig sozialversicherungspflichtig. Entscheidend sind insbesondere die Höhe der Vergütung, Arbeitszeit und ob ein Status als Schüler und Student gegeben ist. Arbeitgeber sollten im Einzelfall prüfen, ob Sozialversicherungspflicht besteht. Sonst können Nachzahlungen drohen.