Männerfreundschaften
Über Tote sagt man ja nur Gutes, aber was tun, wenn das Böse schon in der Welt ist? Justus Frantz, Maestro aus Hamburg, der fast nur noch für Putin spielt, hat dem Spiegel jetzt eine Anekdote erzählt, die leicht maliziös klingt. Helmut Schmidt habe ihm mal einen Henry angeschleppt, weil er nicht wusste, was er mit ihm anstellen sollte, und erst an der Tür entpuppte sich dieser Henry als Henry Kissinger, noch dazu schlecht gelaunt.
Dazu muss man wissen, dass Kissinger die Totenrede auf Schmidt hielt. Und dass er darin nur lobende Worte fand. Schmidt habe immer genau gewusst, worüber die Zwei zuletzt geredet hatten und beim nächsten Mal die Unterhaltung nahtlos weitergeführt. Gleichzeitig sei man nie vom formalen Sie zum informellen Du übergangen – da blieb Schmidt hanseatisch steif.
Vielleicht war es in Wirklichkeit doch nicht so weit her mit der Männerfreundschaft. Nur, dass Schmidt dies geschickt zu verbergen verstand. Wobei wir wieder bei Frantz wären, der einst mit Schmidt vierhändig Klavier spielte. Der schwäbische Schraubenmilliardär Reinhold Würth hatte früh einen Narren am Pianisten gefressen, obwohl oder gerade weil die beiden so unterschiedlich sind. Denn Würth ist anders als Frantz pünktlich, strukturiert, bisweilen pedantisch. Weshalb es letztlich doch zum Zerwürfnis kam. Denn bei allem Mäzenatentum – Würth kommt auch ohne Klavier aus.
Der Zeit verriet er jetzt, was er stattdessen gerne ins Grab mitnehmen würde: sein Diktiergerät, auf dem er laut Zählung seiner Sekretärinnen in den 69 Jahren an der Spitze des Unternehmens 191 775 Briefe diktiert hat.