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Das Duell für 2026 ist eröffnet

Manuel Hagel (CDU), Landesvorsitzender Baden-Württemberg, spricht im Feststadel zu seinen Anhängern. Er hatte angekündigt, dass er Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg werden will.
dpa/Stefan Puchner)Stuttgart . Der Zeitpunkt und der Ort war überraschend. Doch dass Manuel Hagel 2026 Spitzenkandidat der CDU im Land wird, war für Beobachter seit langem klar. Nun ist es offiziell: Der 36-jährige CDU-Chef strebt in die Villa Reitzenstein. Es wird zu einem Duell mit Noch-Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir kommen.
Die Aufstellung ist reizvoll. Jugend gegen Erfahrung, Hoffnungsträger gegen Aufstiegsbiografie, ein moderner Konservativer gegen einen pragmatischen Grünen. Die Union will die 2011 verlorene Position als führende Regierungspartei wiedererlangen, auch wenn sie de facto nur fünf Jahre ganz weg von der Macht war. Und die Grünen kämpfen darum, das Erbe von Winfried Kretschmann zu bewahren, der wie kein anderer ins ländlich-konservative Milieu eingedrungen ist. Dorthin also, wo die CDU ihre Bastionen sah.
Lesen Sie hier, wie Hagel seine Spitzenkandidatur verkündet
Hagel hängt an der Performance der Bundesregierung
Hagel ist schon aufgrund der aktuellen Umfragen der Favorit in diesem Rennen. Ob er seine Pole Position behalten kann, liegt ganz entscheidend an der Performance des voraussichtlich neuen Kanzlers Friedrich Merz (CDU) in Berlin. Gelingt diesem ein Aufbruch aus Investitionen, Strukturreformen und einer Stimmungswende, und dem folgend ein Wirtschaftsaufschwung, dann hat Hagel allerbeste Chancen.
Verhakt sich die „Groko“ hingegen in Streitereien und der Mehltau der Ampeljahre setzt sich fort, dann könnte der Vorsprung schnell dahinschmelzen. Özdemir hat voraussichtlich ab Ostern jede Menge Zeit, durchs Land zu reisen, Unternehmer und Bürger zu treffen und Ortstermine zu absolvieren. Jeder Fehler, jeder Ärger über die neue Bundesregierung könnte bei ihm einzahlen, denn die Grünen sind als Opposition im Bund frei von Verantwortung für Fehlentwicklungen.
Das erste Duell zwischen Hagel und Özdemir im SWR
Beide Kandidaten müssen ihr Profil schärfen
Doch es wäre zu kurz gesprungen, nur auf den Bundestrend zu setzen. Beide Kandidaten haben Nachholbedarf: Hagel tritt professionell auf, bringt rhetorisches Talent mit und hat die Union wie nie seit dem Machtverlust hinter sich versammelt. Doch er muss inhaltlich nachlegen. Wofür steht der CDU-Chef jenseits vom Versprechen auf bessere Zeiten? Das muss mit einigen wahrnehmbaren Thesen unterfüttert werden. Vielleicht am Beispiel einer neuen Staatsreform? Seine Forderung, „eine Verwaltungsebene abzuschaffen“, steht bislang weitgehend undefiniert im Raum.
Özdemir wiederum muss die Erinnerung an das unglückliche Agieren der Grünen in der Ampelkoalition und manch ideologische Forderung vom linken Flügel der Partei vergessen machen. Und zeigen, dass er in „The Länd“ für alle wählbar ist. Für beide gilt, dass sie das Wählerpotenzial der Kretschmann-Ära umwerben. Ironie der Geschichte: Die Chancen, dass beide Parteien nach der Wahl wieder kooperieren werden, stehen derzeit ziemlich hoch.