Themen des Artikels
Um Themen abonnieren und Artikel speichern zu können, benötigen Sie ein Staatsanzeiger-Abonnement.Meine Account-Präferenzen
Regionales, Relevantes und neue Formate beim SWR-Programm

Eine Dokumentation des SWR porträtiert Boris Palmer, den Tübinger Oberbürgermeister und streitbares Ex-Mitglied der Grünen, hier vor einem Plakat seines Vaters.
SWR)Stuttgart. Auf der Internetseite des SWR hält Gniffke eine Videoansprache. Seine Botschaft: „Wir wollen alle Menschen im Südwesten versorgen, wir wollen allen Menschen ein verlässlicher Partner sein. Mit Nachrichten, mit Dokumentation, mit spannenden Recherchen. Denn das ist ja der Rohstoff für Demokratie und im Moment gerade so wichtig.“ Und: „Wir bleiben, wenn die anderen längst weiterziehen.“ Was das konkret heißen soll, bleibt abzuwarten. Das neue Programm für 2025 verspricht auf jeden Fall einiges: viel Regionalität, aber auch gesellschaftsrelevante Themen sowie mehr Angebote für Kinder und Jugendliche.
Der SWR will „Geschichten aus dem Südwesten“ erzählen, „die auch über die Grenzen der Region hinaus relevant sind und historische Ereignisse neu beleuchten“. Ein Schwerpunkt liegt auf der RAF, die vorwiegend im Südwesten agierte.
Zwei Produktionen befassen sich mit der RAF und ihren Opfern
Das Dokudrama „Stammheim – Zeit des Terrors“ etwa ist anlässlich des 50. Jahrestages des Stammheim-Prozesses im Mai 2025 entstanden. Der Film gibt Einblick in die Gerichtsverhandlungen gegen die Führung der ersten Generation der RAF, der am 21. Mai 1975 in Stuttgart -Stammheim der Prozess gemacht wurde, und rekonstruiert die Lebenswelt von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof in der JVA Stammheim. Ergänzt ist das durch einen zweiten Erzählstrang, der sich um den Untersuchungsausschuss aus dem Jahr 1977/1978 rankt, welcher die Ereignisse im Zellentrakt der JVA bis zur „Todesnacht in Stammheim“ im Nachhinein analysiert. Nachgespielte Szenen werden mit Originalaufnahmen verwoben.
Eine zweite Dokumentation beleuchtet die Seite der Opfer: „Im Schatten der Mörder“ lässt die Kinder der von der RAF Ermordeten Siegfried Buback, Hanns Martin Schleyer und Alfred Herrhausen zu Wort kommen. Sie erzählen, wie der Terrorismus ihr Leben und das ihrer Familie verändert hat und bis heute prägt.
Eine weitere Dokumentation dreht sich um Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen und streitbares Ex-Mitglied der Grünen. „Der Palmer-Komplex“ zeichnet das Porträt eines Menschen, in dessen Persönlichkeit sich laut SWR „zentrale Konflikte unserer Zeit spiegeln: der Streit zwischen Ökonomie und Ökologie, die Auseinandersetzung um Rassismus und Wokeness, um Meinungsfreiheit und ihre Grenzen.“
Weitere Produktionen, die sich mit Themen aus dem Land befassen, sind der Polizei-Thriller „Die Nichte des Polizisten“, der, angelehnt an den Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn , von der Welt junger Polizeikräfte und rechtsextremen Netzwerken innerhalb der Polizei erzählt. Ebenso die neue Reihe „Die Verteidigerin“, die in Freiburg spielt mit Andrea Sawatzki als Anwältin Lou Caspari in der Hauptrolle. Außerdem wird die Serie „Feuer und Flamme“, deren Schauplatz bislang Nordrhein-Westfalen war, nun im Südwesten fortgesetzt: Die Feuerwehr Heidelberg gibt Einblicke in ihren Alltag mit Einsätzen im Stadtgebiet oder Teilen des Odenwaldes.
Ziel des Senders ist es auch, vermehrt das junge Publikum anzusprechen, etwa mit Dokus zu Konzerten und Musikern, Fußballnachwuchsspielerinnen und Podcasts zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Dazu gibt es neue Formate, etwa die Gaming-Erweiterung der Comedy-Serie „Alamania“ rund um den Lehrer Frank Simpel und seine Klasse. Im Bereich Podcast/Radiofeature sei „Ugly Pforzheim “ erwähnt. Die Podcast-Serie, die von DASDING, dem jungen Angebot des SWR, produziert wird, „geht der Frage nach, warum die Stadt Pforzheim als hässlich verschrien ist und trotzdem so viele Menschen gerne in dieser Stadt leben“. Tamara Keller begleitet ein Jahr Menschen aus Pforzheim, etwa Rapperin Sharon, DHL-Bote Jonas und Jugendgemeinderätin Kira.
Zur Bundestagswahl gibt es auf die Region zugeschnittene Angebote
Und natürlich befasst sich der SWR mit der Bundestagswahl am 23. Februar. Das Versprechen: „umfassend“ zu informieren – und zwar im TV, Rundfunk, mit Online-Angeboten und auf Social Media. Im Vorfeld gibt es die Sondersendungen „Die Wahlarena“, auf das jeweilige Bundesland zugeschnitten, mit Spitzenkandidaten und Bürgern. Nach der Wahl wird analysiert und diskutiert. Unter https://swr.de/wahl finden sich dazu zahlreiche Informationen, Recherchen und Erläuterungen.
SWR-Umstrukturierung
Der SWR will einige Formate, die bislang in Eigenproduktion entstanden sind, etwa „Tatort“ und die Serie „Die Fallers“ extern vergeben. Die Mitglieder im Verdi-Betriebsverband im Sender kritisieren die Pläne. Maximilian Heß von Verdi Baden-Württemberg spricht von einem „Eigentor“. Der Sender verliere Kompetenzen für die Formate, „und zudem einen wichtigen Teil seiner technischen Infrastruktur, seiner Innovationskraft und seine einzigartige Bedeutung als Ausbilder in diesen Berufen“.