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Kolumne: Eingekreist

Wenn pfiffige Aprilnews auf die Realität treffen

Behörden kennen die Triggerthemen der Bürger sehr gut. Das zeigt sich alle Jahre wieder, an einem ganz bestimmten Tag im Frühling. 

In Zeiten der globalen Dauerkrise erfreut sich die uralte Späßchen-Tradition ungebrochener Beliebtheit.

dpa/CHROMORANGE/Michael Bihlmayer)

Der Landkreis Tübingen gendert nun konsequent, das aber traditionsbewusst. Künftig soll das Kreiswappen den Genderstern ersetzen. Zwischen „Mitarbeiter“ und „Innen“ prangt der schwarze Speer mit dreilatziger roter Fahne. Für alle, die es besonders ernst meinen, gibt es das Genderwappen sogar als Aufkleber. Die Bürger können es beim Briefwechsel mit dem Landratsamt selbst reinbasteln – was für ein super Service!

Den Auftakt unerhörter April-Nachrichten machte der CDU-Kreisverband Ludwigsburg . Der beliebte Aussichtspunkt mit Windrad „Grüner Heiner“ soll umbenannt werden. Der Name stamme aus den Sechzigerjahren, als die Parteienlandschaft noch anders aussah. Heute wirke er, nach Auffassung der CDU, einseitig und würde eine politische Richtung unterstützen. Das sei ungerecht.

Behörden und Politiker kennen die Triggerthemen genau

Auf Instagram ging es am Dienstag weiter mit pfiffigen Frühlingsnews: Urbachs Bürgermeisterin Martina Fehrlen verkündete eine Seilbahn vom Marktplatz auf den Gänsberg. Und Finanzminister Danyal Bayaz postete ein Foto von sich in der Staatsbrauerei Rothaus mit einer Kampfansage an bayrische Foodblogger. Es gelte nun ein Zoll auf Bierimporte ins Land in Höhe von 25 Prozent. Einen Hafen für mittelgroße Kreuzfahrtschiffe kündigte Pforzheims Baubürgermeister Tobias Volle auf LinkedIn an.

Man erkennt: Auch in der globalen Dauerkrise erfreut sich die uralte Späßchen-Tradition ungebrochener Beliebtheit. Ob Verkehr, Bier oder Gendern. Behörden und Politiker kennen die Triggerthemen genau.

Nur der Gemeindetag holte die schmunzelnde Öffentlichkeit noch am Dienstagmorgen auf den Boden der Tatsachen zurück – das aber aus gegebenem Anlass. „Die Finanzen der baden-württembergischen Kommunen erreichen historische Schieflage“, teilte der Verband mit und schickte sicherheitshalber voraus: „Leider kein Aprilscherz“.

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