Berufspendler

Alles schimpft, einer fährt: Peter Ludwig und die Bahn

Stuttgart, Ulm und Biberach, Meckenbeuren, Durlesbach: Die „schwäbsche Eisebahne“ hat nicht nur viele Haltstatione, sondern auch Pendler, die jeden Tag unterwegs sind. Etwa Peter Ludwig, Geschäftsführer des Beamtenbunds, der sich nichts Besseres vorstellen kann, um vom Stress runterzukommen.

Ein Lächeln im Gesicht, die Reise kann beginnen: Peter Ludwig, Geschäftsführer des Beamtenbunds Baden-Württemberg.

Michael Schwarz)

Morgens um kurz nach sechs. Auf dem Bahnhof von Biberach an der Riß rollt der Regionalzug aus Friedrichshafen ein. An Gleis 2 warten schon Peter Ludwig und seine Frau Sabine. Gleich geht es los – nach Ulm, wo sie im Landratsamt arbeitet. Der Gatte dagegen steigt dort um – in den ICE. Eine Stunde später ist er in Stuttgart, weitere 20 Minuten danach hat auch er seinen Arbeitsplatz erreicht. Von Tür zu Tür in etwa zwei Stunden.

Am Tag der Arbeit endet das Berufsleben des gelernten Bahners

Damit gehören der Geschäftsführer des Beamtenbunds und seine Frau zu den 3,9 Millionen Menschen in Baden-Württemberg, die pendeln. Und nicht nur das: Sie gehören auch zu den 29 Prozent, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Weit rarer sind dagegen echte Bahnfahrer gesät. Laut einer aktuellen Umfrage nutzen nur 3,91 Prozent der Frauen und 3,13 Prozent der Männer eine Regionalbahn auf dem Weg zur Arbeit. Und bei den Fernzügen sieht es noch mauer aus (Frauen 1,34, Männer 0.73 Prozent).

Auf die Frage nach dem Warum muss Peter Ludwig nicht lange zögern. Er könne nach einem anstrengenden Arbeitstag nur im Zug so richtig schön abschalten. „Zu Hause bin ich dann wirklich zu Hause, nicht nur geografisch.“ Er mag sich gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn er die 150 Kilometer mit dem Auto bewältigen müsste. Und den Gedanken, umzuziehen, haben die Ludwigs schon lange verworfen. Warum auch? Biberach sei eine tolle Stadt. Man finde alles, was man braucht, und genieße das Dörfliche.

Die Wahl des Verkehrsmittels ist bei Ludwig kein rein reiner Zufall. Schließlich hat er 1974 bei der Bundesbahn angefangen. Da war er gerade einmal 15 Jahre alt. Er lernte alles, was man im nicht-technischen Dienst des damals noch größten Arbeitgebers der Republik lernen konnte, etwa den Fahrkartenverkauf. Und er arbeitete in einem Stellwerk, wo noch alles im Handbetrieb lief. Im selben Lehrgang übrigens wie der spätere Geschäftsführer des Staatsanzeigers, Joachim Ciresa. Einige Jahre später arbeiteten sie wieder zusammen – im Rangierdienst in Ulm. Dann verlor man sich aus den Augen und traf sich erst wieder, als beide als Geschäftsführer Karriere gemacht hatten.

Ludwigs Pendelei begann 1989, als eine Stelle bei der GDBA, einer heute nicht mehr existierenden Eisenbahngewerkschaft, in Stuttgart frei wurde. Von dort wechselte er zum Beamtenbund, wo er noch bis zum 30. April 2025 arbeitet. Am Tag danach, dem Tag der Arbeit, endet sein Berufsleben und auch das seiner Frau, und sie können sich noch mehr ihren Hobbys widmen, dem Kanu- und dem Radfahren.

Verzögerungen im Betriebsablauf und all die anderen Grausamkeiten, die die Deutsche Bahn ihren Fahrgästen zumutet, können Ludwig nicht schrecken. Stattdessen zählt er die Vorteile auf, etwa die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm, die nicht nur Zeit spart, sondern deren Eröffnung auch mit einer deutlichen Fahrplanverdichtung einherging.

Er steht zu Stuttgart 21: „Die Bahn muss mit der Zeit gehen“

Nur eines tut ihm leid: Dass er aufhört, bevor der erste ICE in den Tiefbahnhof fährt. Denn Stuttgart 21 findet er nach wie vor eine gute Idee. „Die Bahn muss mit der Zeit gehen.“ Und ein Durchgangsbahnhof sei eben viel leistungsfähiger als ein Kopfbahnhof. Das habe er schon als junger Mann gelernt.

PS: Anderthalb Jahre pendelte er nicht. Das war die Zeit, als die Strecke zwischen Ulm und Friedrichshafen elektrifiziert wurde und die Fahrt mit Bus und Bahn drei Stunden gedauert hätte. Damals parkte sein Campingwagen vor der Villa des Beamtenbunds, und Peter Ludwig hatte es nur zwölf Schritte bis zur Arbeit.

Wenn Redakteurinnen und Redakteure reisen

Auch beim Staatsanzeiger wird fleißig gependelt. Die längste Anreise mit der Bahn hat eine Kollegin aus Köln. Um Platz zwei und drei streiten zwei Redakteure aus Freiburg und Augsburg. Platz vier geht nach Neckargemünd bei Heidelberg. Es folgen Aalen, Göppingen, Böblingen und Esslingen. Der Weg ist mal entspannend, mal strapaziös. Wie gut, dass es auch Homeoffice gibt!

Seit 1850 hält die „schwäbsche Eisebahne“ in Ulm. Geißböcke werden heute nicht mehr befördert. Foto: dpa/akg-images

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