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Eine „klasse Chance“, um das Land zu präsentieren
Stuttgart. Baden-Württemberg darf sich in der Rolle als Gastgeber sonnen, weil gleich vier Fußball-Nationalmannschaften zur Vorbereitung Quartier im Südwesten bezogen haben: Belgien hat in Ludwigsburg seine Zelte aufgeschlagen und Spanien in Donaueschingen, die Dänen trainieren in Freudenstadt und die „Nati“, die Equipe aus der Schweiz, bezieht in wenigen Tagen ihr EM-Quartier im „Waldhotel“ unter dem Stuttgarter Fernsehturm.
Eine „klasse Chance“ wittert Tourismusstaatssekretär Patrick Rapp (CDU), um möglichst viele Facetten des Reise- und Urlaubslandes im deutschen Südwesten einem internationalen Publikum vorzustellen.
Grün-Schwarz will Effekte über das Turnier hinaus erzielen
Dazu steckt Grün-Schwarz Mittel in gezielte Projekte in England, den Niederlanden oder der Schweiz, um wirtschaftliche Effekte durch und vor allem über das Großereignis hinaus zu erzielen. Dass gerade die Schweiz sich für die Landeshauptstadt entschieden hat, ist ohnehin ein Glücksgriff: Die Nachbarn sind ein besonders wichtiger Markt.
Laut Wirtschaftsministerium ist die Zahl der Übernachtungen landesweit schon 2023 im Vergleich zum Vorjahr um gut 15 Prozent oder 2,7 Millionen gestiegen. In Stuttgart brachte der Nach-Corona-Aufschwung sogar ein Plus von fast 23 Prozent. „Die Schweiz ist unser Quellmarkt Nummer eins“, sagt Andreas Gerlach, die Prokuristin der Stuttgart-Marketing auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Rapp und erinnert an den „Aufschwung von herausragenden Maße“ im Zuge der Fußball-WM 2006. Anhaltend jedoch waren die Effekte damals nach allen vorliegenden Studien, unter anderem von der Bundesbank, nicht. „Die Spiele haben einen im Ausland messbaren Bekanntheitseffekt für Deutschland als Standort gebracht“, heißt es in einer Zusammenfassung der Analyse des „Sommermärchens“ durch das „Leibniz Institut Wirtschaft“.
Die Bedeutung der Auswirkungen auf wirtschaftliche und Reiseentscheidungen sei allerdings unbekannt. Rapp will gegenhalten, hofft auf anhaltende Auswirkungen. Unter anderem lädt das Land Neuinvestoren und potenzielle Interessenten nach Stuttgart ins Neue Schloss und danach zum Public-Viewing auf den Schloßplatz.
Baden-Württemberg will mit der Nachhaltigkeit punkten
Letzterer gehört zu den Sehenswürdigkeiten, die Land und Stadt international herausstellen wollen. Andere Stuttgarter Ecken werden dagegen eher „kaschiert“, wie Gerlach offen bekennt, darunter das Loch in der Königstraße, das der Zusammenbruch des Imperiums von René Benko in der Innenstadt hinterlassen hat. Oder auch Teile der Unteren Königstraße, in der unter anderem zusätzliche Mülleimer aufgestellt werden. „Wir versuchen alles, was möglich ist, um den Zustand so schön wie möglich zu machen“, sagt Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann.
Auf jeden Fall punkten möchte Baden-Württemberg mit den von der UEFA verlangten umfangreichen Nachhaltigkeitsvorgaben zur Minimierung der Veranstaltung auf „Umwelt und Klima“. Der Stuttgarter Gemeinderat habe bei seinen Entscheidungen „ganz bewusst Wert darauf gelegt, dass diese Ziele umgesetzt werden“, berichtet Fuhrmann. Der Tourismusstaatssekretär spricht sogar von einem USP, einen „unique selling Point“, weil Nachhaltigkeit seit Jahren mitgedacht werde: „Wir sind dann am Ziel angekommen, wenn Nachhaltigkeit eine Selbstverständlichkeit in den Abläufen wird.“
Fünf Spiele finden in Stuttgart statt
Baden-Württemberg ist bei der Euro 2024 Austragungsort von fünf Spielen und Gastgeber für vier Nationalmannschaften. „Die zu erwartende Anzahl ausländischer Gäste sowie die Vielzahl von Public-Viewing-Veranstaltungen „lassen positive wirtschaftliche Effekte für das Gastgewerbe und den Einzelhandel erwarten“, heißt es in einer Prognose des Wirtschaftsministeriums.
Diese seien aber „schwer zu quantifizieren und hängen zusätzlich in großem Maße vom Abschneiden der deutschen Mannschaft im Turnier ab“.